Montag, 12. April 2010

Gnostische Religionen

Die Gnostische Religion

Was ist gnostizismus?

Die Gnostische Lehre befasst sich mit der absoluten Zweiheit der gesamten Schöpfung. In ihr stehen sich seit Ewigkeit die gute und die böse Welt gegenüber. Es gibt aber auch die Lehre der gemilderten Zweiheit. Bei ihr ist die Welt des Bösen nicht ewig. Sondern sie kehrt am Ende der Zeiten bekehrt zur Gottheit zurück.

Die gemilderte Zweiheit

Die erste Religion der gemilderten Zweiheit ist die Religion des Zarathustra. Viele sehen in Zarathustra einen Vorläufer des Christus, der in Persien, dem heutigen Iran, lebte. Nach der Lehre des Zarathustras bekämpfen sich seit Ewigkeiten zwei Prinzipien.

Ahura- Mazda

Das erste Prinzip ist das des Lebens und der Fruchtbarkeit und das des Todes und der Zerstörung. Diese Lehre heißt Ahura- Mazda oder Ormuzd (= Herr der Weisheit).

Ahriman

Das zweite Prinzip heißt Ahriman. Er ist der Zerstörer und das Böse. Sein Symbol ist die Finsternis und die Macht. Er ist ein Lügner und verführt die Menschen zum Bösen.

Nach der iranischen Lehre hat Ahura-Mazda, Himmel und Erde vollkommen erschaffen. Es ist ihm aber nicht ganz gelungen. Denn Ahriman hätte ihn bei der Arbeit gestört. Der Mensch steht hier zwischen Gut und Böse. Die verstorbenen menschlichen Geister, die für das Gute eingetreten sind, kommen in den Garodema, in das Haus der Lieder, in dem Ahura-Mazda wohnt. Die bösen Menschen aber bleiben auf der Erste, dem Haus der Lüge und werden hier wiedergeboren, solange, bis sie sich zum Guten bekehrt haben.


Kampf zwischen Ahura-Mazda und Ahriman

Der Kampf zwischen Ahura-Mazda und Ahriman, zwischen Gut und Böse, dauert 12.000 Jahre. Dann kommt der Retter Sayosat. Er wird den Menschen den Heimweg zu Ahura-Mazda zeigen. Alle Menschen kehren dann heim und auch der bisher böse Ahriman bekehrt sich jetzt zur Guten Gottheit.

Diese Religion ist einfach und klar. Was man jedoch heute im „Zendavest“, der heiligen Schrift des Iran, findet, zeigt nur noch ein entstelltes Abbild der alten Lehre. So wird darin den Menschen befohlen, dass sie alle schädliche Tiere und Pflanzen, besonders aber die „Schlangen als Feinde Gottes“ vernichten sollten. Hier findet man den Einfluss der jüdisch-christlichen Bibel, die rein Jhvh-istisch ausgerichtet natürlich Sofia oder die Schlange der Erkenntnis verabscheute. In Ahura-Mazda findet man die Gottheit der Gnostiker und in Ahriman den satanischen Archon dieser materiellen Welt. Garodema oder das Haus der Lieder ist die Himmelswelt der Gottheit, die Erde oder das Haus der Lügen ist der Planet Erde bzw. das gesamte materielle Weltall.

Die absolute Zweiheit

Die im Sinne der absoluten Zweiheit denkenden Gnostiker halten es allerdings für ganz unmöglich, dass sich das seit Ewigkeit existierende böse Prinzip zur Guten Gottheit bekehren könnte. Sie glauben, dass sich Gut und Böse wie Antimaterie und Materie zueinander verhalten und sich bei Berührung gegenseitig zerstören würden.

Interessant ist, dass Zarathustra den Menschen das Kommen des Christus voraus gesagt hat. Er nennt ihn den Retter Sayosat. Als Befreiungszeit wird die biblische Zeit von 12.000 Jahren genannt. Natürlich muss man eine solche Zeitangabe nicht wörtlich nehmen. Man kennt ja aus der hinduistischen Esoterik die Zeitdauer der Tage und Nächte und auch der Jahre Brahmas (12.000 Götterjahre sind 4.320.000 Menschenjahre ). Auf jeden Fall werden nach der iranischen Lehre am Ende alle Menschen befreit.


Mani oder Manes

Die zweite, ganz speziell zweiheitliche Bewegung ist die des Persers Mani oder Manes im 3. Jahrhundert nach Christus. Mani wurde im Jahre 216 geboren und war Babylonier von Geburt. Mit weißer Haut und blonden Haaren. Zuerst gehörte er zur Religionsgemeinschaft der Mandäer, einer puritanischen (reinheitsfanatischen) Sekte, zu der auch schon sein Vater gehört hatte. Hier erlernte er die Meditation (= Erkenne der Wahrheit durch Versenkung in sich selbst) und hier erkannte er auch seine religiöse Berufung.
Mit 24 Jahren hatte Mani seine große Erleuchtung. Er verließ nun seine bisherige Weltanschauung. Er sah sich von nun an als Erben von Buddha. Zarathustra und Christus an. Er reiste nach Indien und erlangte hier die Weisheit der Brahmanen. Im Besitz der Vollkommenheit kehrte in seine Heimat zurück und predigte hier seine neue Lehre.

Mani hat mehrere Bücher geschrieben. Aber die ihm feindliche römisch-christliche Kirche vernichtete alle seine Werke. Was er geschrieben hat, kennt man nur aus den Streitschriften seiner römisch-katholischen Gegner.

Manischäismus

Als Religion hat der Manischäismus absolut nichts mit der Religion der römischen Kirche zu tun. Wie die Katharer lehrte Mani die beiden Prinzipien: das Gute und das Böse. Mani trat für die Zweiheit ein. „Seit Uranfang oder seit aller Ewigkeit bekämpfen sich beide Prinzipien, bis am Ende das Gute über das Böse siegen wird.

Mani erkannte Christus als das „Licht der Welt“ an. Für ihn gab es nur einen geistigen Christus keinen körperlichen und schon gar keinen Gekreuzigten. Die jüdischen Propheten lehnte er wegen ihrer Irrtümer ab. Er fand im Dekalog (=10 Gebote) nicht den Kult der lichten Gottheit, sondern den einer dämonischen Vielgötterei.

Aber, wie gesagt, kennt man Manis Weltanschauung nur von seinen schärfsten Gegnern. Auf jeden Fall war der Manischäismus eine gnostische Religion. Mani hatte sich mit zwei anderen Gnostikern verbunden: mit Marcion und mit Bardesanes, deren Weltanschauung ebenfalls zweiheitlich ist. Der Manischäismus war zugleich eine Gotteslehre ( Theogonie) wie auch eine Weltentstehungslehre (= Kosmogonie). Er enthielt eine weltumfassende Wissenschaft von den göttlichen und den teuflischen Dingen. Alles Wissenswerte der beiden Welten wurde geschildert.

In die Welt geworfen

Der Manischäer betrachtete sich „als in die Welt geworfen“. Er ist ein Fremder auf dieser Welt. Denn er gehört zu den höheren, kosmischen Wesen. Er lebt in dieser Welt im Exil. Er fühlt in sich ein tiefes Heimweh nach seiner Urheimat, von der er entführt worden ist: „Du kommst nicht von hier, deine Wurzel ist nicht von hier, dein Ort ist der des Lebens.“

Man hat hier eine Vorwegnahme, vielleicht sogar einen der Ursprünge des Katharertums. Die neue Religion genoss von Anfang an den Schutz des persischen Königs Schapur I und konnte sich ohne Schwierigkeiten auf Perien und über seine Grenzen hinaus bis nach Klein-Asien und Afrika verbreiten.

Verfolgung der Manischäer

Nach dem Tode von Schapur I aber wurden die Manischäer verfolgt. Die Macht war auf eine andere Herrscherfamilie übergegangen, in die Hände des sassanistischen Dynastie. Der neue Monarch Bahram I hasste Mani und seine Lehre. Mani wurde gefangen genommen und gefoltert. Bei lebendigem Leibe wurde ihm die Haut abgezogen. Mani starb nach 25-tägiger Folter am 26.2.277.

Der Manischäismus wurde in der Folge zu der am meisten verfolgten Religion der Weltgeschichte. Trotzdem breitete er sich immer weiter aus. Von Klein-Asien gelangte er nach Ägypten und verdrängte hier das römische Christentum. Im 4. Jahrhundert hatte er das ganze, damals bekannte Afrika erobert. Alle Länder am Mittelmeer wurde nach und nach manichäisch. Im 5. Jahrhundert beginnt der römische Stuhl in Rom deutlcih zu wackeln. Daher lässt die römische Kirche von nun an die Manischäer blutig verfolgen. Die Blutbäder dauern bis zum 6. Jahrhundert. Dann befinden sich die Manischäer im Untergrund. Denn wenn sie jetzt noch überleben wollten, durften sie sich nicht mehr als Manischäer zu erkennen geben.

Das Manischäertum im Untergrund

Aus dem Untergrund-Manischäertum entwickelt sich im 8. Jahrhundert die Religion der Paulizianer Armeniens. Es handelt sich um eine gnostisch-manischäische Kirche. Sie unterscheiden einen bösen Gott als Urheber der sinnlichen Schöpfung und des Judentums und einen guten und vollkommenen Gott. Im Gegensatz zur römischen Kirche verwerfen sie die Verehrung der Heiligen, der Bilder, das Mönchstum, die Hierarchie sowie alle sinnlichen Formen des Kultus. Ihren Bibelglauben stützen sie vorzugsweise auf die Paulinischen Briefe, wonach man die Paulizianer genannt hat. Sie selbst nannten sich Christen. Ihr Stifter Konstantin wirkte seit 660 in Kibossa in Armenien, bis er 684 auf Befehl des kaiserlichen Beamten Simeon gesteinigt wurde. Der gleiche Simeon bekehrte sich in der Folge zum Paulizianismus und trat selbst an die Spitze der Bewegung. Im Jahre 690 wurde er lebendig verbrannt. Die Verfolgungen dauerten jahrhundertelang. Im Jahr 970 wurden diese Christen vom Kaiser Tzimisces nach Trakien verbrannt. Hier mussten sie die Reichsgrenzen bewachen. Aus ihnen gingen zu Beginn des 10. Jahrhunderts die Bogumilen hervor.

Der Bogumilismus

Der Bogumilismus beginnt im Jahre 935 mit Bogumil. Ob es sich dabei um eine wirkliche Persönlichkeit gehandelt hat, weiß man nicht. Denn Bogumil heißt einfach „Gottesfreund“. Wie alle anderen zweiheitlichen Lehren ist auch die der Bogumilen verfälscht worden. Die meisten der heutigen Bücher sprechen von einem „mystischen Asketismus“, der die Bogumilen zur „Apatheia“ ( Bewegungslosigkeit“, einer höheren Bewusstseinsstufe geführt hätte.

In der Anfangszeit des Bogumilismus gab es einen Popen (= Priester) namens Bogumil. Er gehört als Priester niederen Ranges zur orthodoxen, christlich-bulgarischen Kirche. Diese Kirche war in ihrer Intoleranz und ihrer Selbstüberheblichkeit genau so schrecklich wie das damalige Raom selbst. Der Prälat Cosmas redete gar nicht erst mit den Bogumilen, sondern er bekämpfte sie von Anfang an mit Feuer und Schwert.

Die bogumilische Lehre

Die bogumilische Lehre ist zweiheitlich. Man findet in ihr eine Anlehnung an Zarathustra, an die Frühgnostiker und an die Manischäer. In Konstantinopel wird die neue Lehre als manischäische und paulizianische Häresie bezeichnet. Da die römische Kirche im 10. Jahrhundert jedoch einen brutalen Kampf gegen die Messaliner, Manischäer und die Paulizianer führt, gelingt es den noch vielerorts unbekannten Bogumilen sich dennoch auszubreiten.

Logik und Erkenntnis

Der Bogumilismus ist auf Logik und Erkenntnis aufgebaut. Darin ist ihm die offizielle Kirche nicht gewachsen. Im 10. Jahrhundert lösen sich immer mehr orthodoxe Christen aus ihrer Kirche. Sie verzichten auf die „christliche“ Messe und den Segen unwissender Priester. Vor allem die Klöster werden bogumilisch. Von Askese ist hier keine Spur, denn die Bogumilen lieben die Liebe und die Freude körperlich wie seelisch und geistig.

Allerdings kennen die Bogumilen nicht die absolute Zweiheit, wie man sie bei den manischäern und Katharern gefunden hat. Für diese beiden Weltanschauungen sind das Gute und das Böse urweltliche und ewige Mächte. Der Bogumile hält jedoch das Böse nicht für eine absolute Macht. Das Böse ist nur ein Phänomen oder Ereignis, das aus dem Guten hervorgegangen sei und das infolgedessen vereint werden könne. Da das Böse nicht ewig ist, kann es vernichtet werden. Ihre Weltanschauung, die auch bei einigen katharischen Gruppen des Mittelalters wieder auftauchte, nennt man die „gemilderte Zweiheit“.

Allerdings waren nicht alle Bogumilen dieser Anschauung. Die bogumilische „Kirche von Dragowischtitza“ blieb bei der absoluten Zweiheit. Bei ihr besteht die Urwelt bereits aus zwei Welten, der Guten Welt der Guten Gottheit und der bösen Welt des bösen Gottes.

Die meisten Bogumilen aber gehörten zur gemilderten Richtung. Sie glaubten an den Sieg des Guten über das Böse. Diese Anschauung ist mehr dem Volksdenken angepasst. Hier findet das Volk einen Weg zur Zerstörung des Bösen. Nach ihrer Lehre hat die Gottheit zwei Söhne: Jesus und Satan. Satan ist der Schöpfer der irdischen Welt.

Über die irdische Welt ist die irdische Macht gestellt. Sie geht von Satan aus. Will man Satan bekämpfen, dann darf man diese Macht nicht anerkennen. Im Buch „Die Vision des Jesaias“ heißt es: „Diese Welt hier stammt vom Bösen. Hier wohnt die Macht des Bösen und des Krieges, eine Macht, die nicht ewig dauern wird.“ Diese Macht findet für den praktisch denkenden Bogumilen ihren Ausdruck in den Machthabern von Staat und Kirche. Diese Einstellung ängstigt den Kirchenfürsten Cosmas und den König Boril von Bulgarien. Sie bangen um ihr Geld und ihren Besitz. Daher werden die Bogumilen von diesen Machthabern so heftig verfolgt. Man nennt sie Manischäer und bekämpft sie mit den bewährten Mitteln der Verleumdung und der Verbrennung.

Offizielle Kirche ist eine satanische Einrichtung

Zuerst zeigten die Bogumilen, dass die offizielle Kirche mit ihren erstarrten Riten und ihrer Hierarchie eine satanische Einrichtung ist. Sie zeigen, dass die Kirche den Menschen weltfremd mache, dass sie die Menschheit in eine Schafherde verwandele. Die Bogumilen nennen die Kirche „den Herodes“, der die Wahrheit tötet, die geboren werden wollte.

Bogumilen reinigten die Bibel

Da die Bogumilen ein Buch brauchen, auf das sie sich berufen können, reinigen sie zuerst die Bibel. Sie verwerfen die moralischen und sittlichen Vorstellungen von Scham und Keuschheit des Alten Testamentes, die die Menschen der satanischen Macht dienstbar machen. Sie führen die guten Vorbilder der Ehe von Lot mit seinen beiden Töchtern an und das von David an, der ein sexuelles Verhältnis mit seiner Magd hatte und überhaupt das Vorbild der Ehe naher Blutsverwandter bei den alten Ägyptern. Auch das Neue Testament erkennen sie nicht voll an. Sie zitieren die Texte der Evangelien mit bestimmten Auslassungen, während sie die Liebe in allen ihren guten Formen betonen.

Moses wird nicht ganz abgelehnt. Aber man soll nicht „Diener des toten Buchstabens eines alten Gebotes sein: Der Buchstabe tötet, der Geist aber belebt.“ Die Bogumilen nennen das Gesetz des Moses „Kamelwolle“, die genau so unrein und verwirrt sei. Sie nennen den Weg des Moses den „engen Weg“, während sie den Weg zur Befreiung des Menschen den „breiten Weg“ nennen. Für sie steht Satan hinter den Mächten dieser Welt und sein Antichrist sitzt als Papst in Rom. Er ist mit dem ungerechten Zustand auf dieser Welt einverstanden. Er sagt bei Moses: „Ich bin es, der den Reichen und den Armen geschaffen hat“. Ferner lobt Moses den Krieg: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Der Krieg aber nützt nur den Reichen, während die Armen als Schlachtvieh hingemordet werden. Beim Exodus der Juden stiehlt Moses Gold und Silber, verkündet aber für das dumme Volk: „Du sollst nicht begehren deines nächsten Hab, Gut, Weib oder Kind!“ Dass die Frau in einem Atemzug it Hab und Gut genannt wird, zeigt das Untermenschliche der mosaischen Weltanschauung. Die Bogumilen nennen Moses „den vom Teufel missbrauchten Menschen.“ Sie sagen: „Moses ist der Böse, eine Verkörperung des Satan.“

Keine heiligen

Die Bogumilen erkennen auch die Heiligen der Kirche nicht an. Sie fragen, wer sie eigentlich heilig gemacht hätte? z.B. Augustinus, der seine manischäischen Freunde aus Gewinnsucht verraten hat oder Hieronymus, der sich selbst kastrierte? Was ihn von jeder Selbstbefriedigung abschnitt oder die Inquisitoren, die in Christenblut gewatet haben? Warum sollten die Bogumilen gerade die Bibelauslegungen solcher Untermenschen als richtig anerkennen? Der kirchliche Prälat Cosmas aber verdammt die Bogumilen, weil sie eine eigene Auslegung gefunden hätten. Er sagt: „Wer nach seiner Weise die evangelischen oder apostolischen Worte auswechselt und sie nicht so annimmt, wie sie von den heiligen Männern gemacht worden sind, der sei verflucht!“

Offizielle Kirche ist unlogisch

Nicht nur Cosmas, sondern auch Eutemie von Arenien und Zigabene regen sich über die logische Übersetzung z.B. des Matthäus-Evangeliums auf. Im Gegensatz zu der offiziellen Kirche erklären sie das Unlogische nicht mit Sprüchen aus dem Alten Testament, sondern lassen es einfach weg. Nachdem die Bogumilen die Schrift gereinigt hatten, beschäftigten sie sich mit der Säuberung des kirchlichen Kultes. Sie verwerfen das Kreuz, den Kult der „heiligen Jungfrau“ und den des menschgewordenen Gottes. Für sie ist Maria keine Jungfrau, sondern eine Frau, die einen Mann geliebt hat, da sie von ihr geschwängert worden ist und ihm ein Kind geboren hat. Für sie ist Maria eine ganz normale Frau, die ein uneheliches Kind geboren hat. Denn der Vater des Jesuskindes sei ein römischer Legionär aus dem germanischen Volke gewesen. Die Bogumilen verwerfen die Heiligenbilder oder Ikonen, die Heiligkeit der Reliquien: „Sie sind nicht heilig, sondern sie bestehen aus ganz gewöhnlicher Materie.“ Die Bogumilen verwerfen ferner die Taufe mit Wasser, den Wunderglauben, die letzte Ölung, die Kommunion als Speisung mit dem Blut und dem Leib Jesu und die Beichte. Sie glauben weder an das Fegefeuer noch an eine Hölle. Sie glauben: „Es gibt keine andere Hölle als die Erde.“ Einen Himmel hielten sie auch für unnütz, denn der Mensch wird wiedergeboren in einen neuen Körper bis zu seiner Heimkehr zur Gottheit. Eine Auferstehung am jüngsten Tag mit allen Leibern, die die Menschen je besessen habe, erscheint ihnen absurd. Ein jüngstes Gericht gibt es auch nicht, denn das könnte nur ein böser Gott veranstalten. Wenn die Menschen aber zur Guten Gottheit heimgekehrt sind, hat der Böse keine Macht mehr.

Beschuldigung der Bogumilen als Heiden

Die Orthodoxen beschuldigen die Bogumilen des Heidentums, weil sie weder an eine Auferstehung im Fleisch noch an ein jüngstes Gericht glauben. Die Kirche will, dass die Menschen glauben, ehe sie die Wahrheit erkannt haben, ja sie sind dagegen, dass die Menschen überhaupt etwas erkennen. Die Bogumilen aber wollen erst erkennen und dann erst glauben. Damit beweisen sie, dass sie echte Gnostiker sind. Sie sind Erkennende durch innere Einsicht oder Versenkung in ihre Gute Gottheit. Dieses Erkennen ist keine Mystik, da dieses Erkennen von jedem Menschen guten Willens gesteuert und erlernt werden kann.

Kultur und verherrlichung des Kreuzes

Auch der Kultur des Kreuzes wird von den Bogumilen abgelehnt. Für die orthodoxen Christen ist das Kreuz das Symbol der Kreuzigung ihres Heilandes auf Golgotha, von dem sie behaupten, er sei für die Sünden der Menschen gestorben. Für die Bogumilen ist diese Vorstellung absurd. Denn sie sagen, dass Christus wie sein Vater – Mutter reiner Geist ist, der bekanntlich nicht sterben kann. Also machen die Bogumilen kein Kreuzzeichen und stellen keine Kreuze auf ihre Gräber. Die Bogumilen empfinden vor dem Kreuz eine ausgesprochene Abscheu. Wie viele Menschen sind sinnlos am Kreuz zu Tode gefoltert worden! Soll man das Kreuz al Marterinstrument deshalb anbeten? Die Bogumilen sagen: “Wenn dein Vater an einem Baum gefesselt ermordet worden ist, wirst du deshalb diesen Baum anbeten und sein Abbild als etwas heiliges betrachten?

Was ist der Unterschied zwischen den Heiligenbildern und den Götzenbildern

Die Bogumilen fragten: „Was ist der Unterschied zwischen den Ikonen (= Heiligenbildern) und den Idolen (= Götzenbildern)?“ Und die Antwort lautete: „Keiner!, denn beide bestehen aus toter Materie.“ Damals wurden in der Kirche nicht nur Bilder von Heiligen, sondern auch von Kirchenfürsten, Königen und reichen Spendern angefertigt und nach Rang und Würden an den Kirchenwänden befestigt. Der Prälat Cosmas sagte damals: „Wer nicht in Furcht und Liebe die göttlichen Ikonen küsst, den treffe das Anathema (= Fluch).“ Ein solcher Fluch bedeutete damals die Ausstoßung aus der christlichen Kirche, die Verfolgung, die Tötung und den Verlust des Vermögens, das an die Kirche fiel. Da die Bogumilen weder die Bilder von den Heiligen noch die von den Fürsten und Spendern küssen wollten, wurden sie verflucht. Die Kirche aber wurde sehr reich dabei.

Christus war kein Gott

Für die Bogumilen war Christus kein Gott. Er war ein einfacher Mensch, der mit seiner Geliebten Maria Magdalena zusammen gelebt hatte. Nach der Kirche, sei Maria Magdalena auch die Ehebrecherin gewesen, von der das Evangelium spricht. Weil diese Maria eine Dirne gewesen sei, hätte sie auch von Jesus keine Kinder bekommen. Aber die Bogumilen lehrten das ganze Gegenteil: jesus hat es keineswegs interessiert, ob Maria Magdalena eine Dirne gewesen sein. Er hat sie zu seiner Frau genommen und sie hat ihm 2 Kinder, einen Jungen und ein Mädchen geboren.

Keine Kirchen und Kathdralen

Ferne verwarfen die Bogumilen die gewaltigen Kirchenbauten ihrer Zeit. Sie sagten: „Eine materielle Kirche ist nicht gut, denn man kann in ihr nicht beten. In ihr selbst nur Dämonenpriester. Sie haben sich Rang und Würde angemaßt. Die Wahre Kirche dagegen besitzt keine Prunkbauten und kein materiellen Güter.“ Sie nennen die christlichen Priester „Tempeldiener, Pharisäer, Menschen mit doppeltem Gesicht, Heuchler, leidenschaftliche Säufer und Fresser auf Kosten des armen Volkes.“ Gerade das alles stößt den einfach gesinnten Bogumilen ab. Er braucht weder Kirchen noch Klöster. Wenn er beten will, geht er in die freie Natur oder bei schlechtem Wetter in eine Wohnung.

Unter den Bogumilen gab es Vollkommene, Gläubig und Hörer. Aber es gab keinen Abstand zwischen diesen Gruppen, die eine einzige Einheit bildeten. Es gab also keine hierarchische Struktur bei ihnen wie in der römischen Kirche. Durch die Handauflegung oder das Konsola mentum wurde man „Vollkommener“, konnte also die Priesterfunktion ausüben. Es gab noch andere solcher Funktionen: Apostel, Alte und Meister. Es gab auch Bischöfe, ohne dass diese über den anderen Angehörigen gestanden hätten. Sie hatten einfach die Funktion, selbst Priester zu weihen. Der älteste Bischof wurde bei ihnen „Papst“ genannt. Er war aber nur der „Primus inter pares“ (=der Erste unter Gleichen).

Erde ist von Satanael erschaffen

Nach bogumilischer Ansicht ist diese Erde von Satanael geschaffen worden. In seinem Namen regieren die Fürsten dieser Welt. Entsetzt stellen die Pfaffen Satanaels nun fest, dass die Bogumilen „keine Kinder wollen“. Man hat das so verstanden, als wenn sie für eine allgemeine Enthaltsamkeit oder gar Keuschheit eingetreten wären. Das darf man aber nicht falsch verstehen, denn sie waren durchaus für die Fortpflanzung. Sonst wäre ihre Lehre ja auch ausgestorben. Die Bogumilen waren nur gegen die wahllose Fortpflanzung, wobei nach dem Wunsch der Kirche alle 9 Monate ein geboren werden sollte, das von Geburt an zum Leibeigenen der weltlichen und kirchlichen Fürsten bestimmt war. Die Bogumilen hatten den revolutionären Grundsatz aufgestellt: „Keine Kinder für die Reichen!“

Ablehnung von Kriegsdienst

Als echte Christen lehnten die Bogumilen den Kriegsdienst und den Krieg ab. Dabei machten sie nur eine Ausnahme: Sie verteidigten ihre Heimat, wenn diese von fremden Mächten angegriffen wurde. Als zu Beginn der 13. Jahrhunderts von den französischen Feudalherren und von Rom ein neuer Kreuzzug zum heiligen Land aufbricht, wird er na den bulgarischen Grenzen aufgehalten. Schon lange haben die Kreuzfahrer in früheren Jahrhunderten die Länder, durch die sie zogen, gebrandschatzt. Seit die Bogumilen sich in Bulgarien ausgebreitet haben, wollen sie diese europäischen Räuber nicht mehr durch ihr Land ziehen lassen. Bei Andiaopol werden die Kreuzfahrer von Bulgaren vernichtend geschlagen. Der 4. Kreuzzug gegen die Ungläubigen konnte nicht stattfinden.



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