Montag, 12. April 2010

Die Gnosis

Die Gnosis

Was bedeutet Gnosis?

Gnosis bedeutet Erkenntnis und der Gnostiker ist der Erkennende. Die Gnosis ist nicht einfach ein geistiger Strom im Schoss des Christentums, wie man es häufig lesen kann. Sie ist eine Bewegung von ursprünglichen Gedanken. Sie folgt einer der ältesten Bestrebungen der Menschheit. Ihre Wurzle mit der Sofialegende soll aus nördlichen Quellen in die jüdische Geheimlehre gelangt sein und hier verändert worden. So sehen die Juden in der Schlange etwas Böses. Für die nördlichen Menschen dagegen ist die Schlange das Symbol der Weisheit und man spricht in Indien noch heute von „Schlangen der Weisheit“, wenn man heilige oder weise Menschen meint.

Erscheinung der Gnosistiker

Die Gnosis ist viel verfolgt worden und mancher Wundert sich über ihr regelmäßiges Wiedererscheinen in Krisenzeiten. Das ist aber der typische Sofia Impuls, der nach Katharsis-gnostischer Anschauung der Gnosis zu immer neuen Wiedergeburten verhilft. Die Gnosis ist für den Adepten der Weisheit, d.h. Für den wissenden Esoteriker, die Quelle der guten Religion und ihr Untergrund. Die Gnosis zeigt sich lange vor Christus, dann zu seinen Lebzeiten und danach. Sie führt zur geistigen Aufwärtsentwicklung der Menschen durch die „vollkommene Erkenntnis“.

Wie gelangte die Gnosis zum heutigen Europäer? Sie ist mit der Religion der Brahmanen Indiens verwandt und mit Indien haben, wie man es bei Mani gesehen hat, immer Kontakte bestanden. Wer in den Staaten des Mittelmeerraumes nichts mehr lernen konnte, der reiste nach Indien, wo die alte Überlieferung noch lebendig geblieben war. In den anderen Ländern der Alten Welt wurde die Gnosis von der Römischen Kirche systematisch vernichtet.

Die älteste Überlieferung des Gnostizismus

Die älteste Überlieferung der Gnosis aber kommt von Atlantis. Dieser Erdteil befand sich nach Aussage von Plato jenseits der Säulen des Herkules, also im heutigen Atlantik bei Gibraltar. Dieser Kontinent ging nach und nach unter. Der letzte Rest verschwand vor langer Zeit und hat wahrscheinlich zum Sintflutbericht der Juden geführt. Nach Katharsis-gnostischer Anschauung förderte Jhvh die Vernichtung von Atlantis, weil sie dort wohnenden Menschen auf dem Erkenntnisweg sehr weit fortgeschritten waren und direkt vor ihrer endgültigen Befreiung standen. In der bekannteren Esoterik und Theosophie dagegen wird berichtet, dass es hier zu harten magischen Kämpfen zwischen den weißen und schwarzen Magiern gekommen sei, in deren Folge der Kontinent untergegangen sei.

Gnosis in Griechenland

Die Gnosis hat in Griechenland ihre beste geistige Entwicklungsmöglichkeit gefunden. Das Wort „Gnosis“ ist ein griechisches Wort, das mit „Erkenntnis“ übersetzt wird. Griechenland suchte wie der Orient die Erkenntnis, während das spätere Christentum Roms die Gnosis ganz ablehnte und an ihre Stelle einfach den blinden Glauben setzte.


Pythagoras und die Gnosis

Der erste und bekannteste Gnostiker war Pythagoras. Er war nicht nur Mathematiker und Physiker, sondern ein echter Philosoph. Seine Lehre enthält versteckte ägyptische Elemente. Pythagoras hatte alles in Griechenland zu Erkennende bereits erreicht. Daher reiste er nach Ägypten und wurde hier in die höchsten Mysterien eingeweiht.

Im Persischen-ägyptischen Krieg wurde Pythagoras gefangen genommen. Als Gefangener gelangte er nach Babylon. Hier studierte er in der Heimat der babylonischen Astarte oder Liebesgöttin alle damaligen asiatischen Religion und erkannte ihre gemeinsame Abstammung von einer Ur-Religion oder Ur-Erkenntnis.

Nach seiner Rückkehr nach Griechenland weihte er die griechischen Priester in die ägyptischen Mysterien ein und erhob den Pythonissentempel von Delphi zum gnostischen Zentrum Griechenlands. Hier wurde die Lehre der Weisheit unter ihren göttlichen Aspekte von Isis-Astarte-Aphrodite an die Adepten weiter gegeben. Als Pythagoras kurze Zeit nach der Gründung dieses Heiligtums mit 30 Schülern den Tod fand, war seine Lehre durch diese weisen Pythonissinnen für alle Zeit gesichert.

Pythagoräische Schule

Die pythagoräische Schule bestand noch 2 Jahrhunderte lang nach dem Tod ihres Gründers. Seine zahlreichen Schriften befanden sich in der Bibliothek des Seraphäums in Alexandrien. Hier wurden sie im 4. Jahrhundert von den römischen Christen unter Kaiser Theodor vernichtet, weil sie sich nicht im Einklang mit der katholischen Lehre befänden.

Plato

Der Athener Plato ergriff nach Pythagoras die Fackel der Erkenntnis. Durch einen Schüler des Pythagoras namens Argytas erhielt er eine Originalhandschrift des Meisters. Hieraus machte Plato den „Timäus“, der eine Zusammenfassung der pythagoräischen Philosophie darstellt. Aufgrund dieser Erkenntnisse gründete Plato die Akademie von Athen.

Das Wissen des Plato ging später in die Schule von Alexandrien über, deren Hauptvertreter Plotin gewesen ist. Ihm folgte im 4. Jahrhundert sein Schüler Jamblicus. Dieser versuchte, die Gnosis des alten Ägypten wieder zu beleben. Dabei scheiterte er allerdings, weil das römische Christentum inzwischen schon zu stark geworden war.

Die Kirche und die Verfolgung der Gnostiker

Damals erstickte Rom alle Erkenntnis. Rom stellte den blinden Glauben über das Wissen. Die Gnostiker, die überleben wollten, flüchteten in die römische Kirche. Sie wurden also Christen. Allerdings brachten sie ihre gnostische Weltanschauung mit. Diese sickerte unmerklich in die christliche Lehre ein und ist teilweise auch heute noch darin enthalten. Man denke an das „kyrie eleison“ (= Herr, erbarme Dich) in katholischen Messritualen! Kein Katholik kann eine vernünftige Erklärung für das Vorhandensein oder die Bedeutung dieser griechischen Worte geben. Die Gnosis begann nun, den blinden Glauben zu verdrängen. Entsetzt stellte Rom das fest und begann nun den Kampf gegen die Gnosis in ihren eigenen Reihen.

Die syrische Gnosis

Es gab eine syrische Gnosis, die durch Simon Magus, Saturnin und die Ophiten vertreten wurde. Außerdem gab die alexandrinische Gnosis, in der man Basilides, Valentin mit seinen Schülern, Karpokrates u.a. findet. Sie alle brachten ihre gnostische Lehren in das junge Christentum ein und befruchteten es mit echter Erkenntnis. Bald jedoch galt ihre Weltanschauung in Rom als „ketzerisch“ oder „häretisch“. Z.B. behaupteten sie, dass Christus zwar eine göttliche Wesenheit gewesen sei, dass er aber keinen materiellen Körper, sondern nur einen Scheinleib besessen habe. Diese Lehre wurde von Rom verdammt.
In der syrischen Gnosis findet man im 2. Jahrhundert hebräische und vorderasiatische Einflüsse, die das Licht der Gnosis verdunkeln. Die alexandrinische Gnosis ist dagegen eine reine Lichtreligion, die von Griechenland und Ägypten beeinflusst wird. Diese beiden Gnosis formen verwerfen das Alte Testament, die Gesetze des Moses und seinen skrupellosen Dekalog. Denn dieser Moses verlangt die sklavische Unterwerfung an der Stelle von Erkenntnis.

Die christliche Gnosis

Die christliche Gnosis schließt sich direkt an die vorchristlich Mystik an. Beide haben gemeinsame Symbole. Die wichtigsten sind die Schale und das Buch, die die Offenbarung überliefern. Man findet hier den „Kult der Großen Mutter“ oder „des weiblichen Prinzips“. Das „Evangelium der Eva“ und besonders die „Pistis Sofia“ sind hebräisch vollständig erhalten geblieben. Sie stellt eine Art von Volkswissen dar, das sich von der Gnosis der Eingeweihten deutlich unterscheidet. In der Pistis findet man zum ersten Mal jene irdisch-satanischen Dämonen, die später den Kern der jüdischen Kabbalah bilden werden.

Körperlichen Liebe ist gnostisch

Die Haltung zur körperlichen Liebe ist gnostisch. Marcion empfiehlt nur eine solche geschlechtliche Vereinigung, die nicht zur Zeugung führt. Denn das sich Fortpflanzen würde bedeuten, dass göttliche Seelen in materielle Körper eingeschlossen werden. Dieser Gnostiker erlaubt durchaus die Ehe, aber nur eine solche Ehe, die nicht von der Materie beherrscht wird.
Diesen gnostischen Schrecken vor der Fortpflanzung findet man später bei den Minnesängern des 13. Jahrhunderts wieder. Ihr Ziel war der Liebesdienst oder die Höfische Liebe. Diese sollte ausschließlich der Aufwärtsentwicklung des Menschen, nicht aber der Zeugung dienen.


Luziferische Gnosis

Dann gibt es eine „luziferische“ (= lichtbringende) Gnosis und die Gnosis der Ophiten (= Schlangenverehrer). Sie besitzen die urweltliche Erkenntnis der Sofia. Bei ihnen wird die Schlange der Bibel als Botschafterin der Guten Gottheit, ja sogar als die Gottheit selbst bzw. ihr Wort angesehen. Nachdem der irdische „Schöpfer“ Eva und Adam an diese Welt gefesselt hatte, brachte ihnen Luzifer (oder Sofia, die Schlange) das Wissen von Gut und Böse, d.h. die göttlich machende Gnosis durch die wollüstige Liebe. Luzifer ist bei diesen Gnostikern also nicht der böse Satan wie bei den übrigen Christen, sondern die Lichtbringerin Sofia, die Tochter der Guten Gottheit.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen