Freitag, 19. Februar 2010

Licht und Finsternis


 Licht und Finsternis

Alle Dinge entstanden am Anfang aus der Feuerwurzel und teilten sich in Licht und Finsternis. In dieser Welt ist Liebe und Zorn zusammen in allen Kreaturen. Ein jeder Mensch ist frei wie ein Gott und hat die Wahl sich im Leben für das Licht oder die Finsternis zu unterscheiden. Im Schnittpunkt begegnen sich das menschliche und das göttliche Auge und sie verschmelzen in ein visionäres Durchsehen, welches im Zentrum des Menschen aufgeht. Zwei Engel symbolisieren die Grundkräfte des Lösens (Mercurius) und des Bindens (Sulfur). Diese sind gewissermaßen das "Ja und Nein" der Natur.
IHVH Gott Strahlen
Im göttlichen Ein- und Ausatmen der drei Silben des Tetragrammatons Je-Ho-Va entsteht als ewiger Austausch der erster Gegenwurf das einziehende Prinzip des zornigen Vaters: die Finsterwelt. Aus diesen Welten entstehen nun die Folgenden Eigenschaften

Die selbstzentrierte, anziehende Kraft (Saturn). Aus ihr entspringen Schärfe, Härte und Kälte.
Die abstoßende Kraft der "stechenden Bitterkeit", auch "auch Stachel der Empfindlichkeit" genannt. Aus ihr entsteht merkuriale Beweglichkeit und sinnliches Leben.
Aus dem Gegeneinander von Anziehung und Abstoßung der beiden vorhergegenen resultiert die rotierende "Angstqual" (Mars).
Durch Reibung und Rotation entzündet sich in der vierten Eigenschaft, dem zweifältigen Feuer aus Licht und Finsternis, ein Blitz. Aus diesem schließlich geht als drittes Prinzip die bipolare vierelementische Natur und alles Leben hervor.

Das zweite aushauchende Prinzip des Sohnes, das im hellen Geistfeuer aufsteigt, besteht aus den Eigenschaften:
Licht oder Liebe, der wahre Geist (Venus).
Laut,Ton, Klang: das freudige Wallen der fünf Sinne (Jupiter).
Die Wesenhaftigkeit, "das Mysterium Magnum" oder die eigentliche Substanz der sichtbaren Welt (Luna-Sophia).

Die alten Weisen haben die Planeten nach den sieben Eigenschaften der Natur benannt, aber sie haben noch viel mehr darunter verstanden, nicht alleine die sieben Sterne, sondern auch die sieben Eigenschaften in der Gebärung aller Wesen. Es ist kein Ding im Wesen das nicht sieben Eigenschaften in sich hat. Denn sie sind das Rag des Zentrums, die Ursachen des Sulfur, in welchem Mercurius den Sud der "AngstquLicht und Schatten mystik alchemieal" macht. Alle Sieben werden ineinander und zugleich geboren, keiner ist der erste, keiner der letzte".

Das göttliche Licht bestrahl alles gleich, doch wird es auf unterschiedliche Weise assimiliert: das untere grobe Herz verschluckt es wie ein schwarzes Loch, das obere subtile Herz nimmt es auf und strahlt es ab.

Die Gestalt Gottes ist zweifach. Er hat ein Haupt des Lichtes und ein Haupt des Dunkels, ein weißes und ein schwarzes, ein oberes und ein unteres. Der helle und der dunkle Aspekt in Gott ist sein Wollen (voluntas) und Nichtwollen (noluntas). Gott ist gut, egal ab er will oder nicht will, denn in Gott ist nichts böses. Erst nachdem Luzifer ihn angezündet hat, wird er "ein grimmiger Stachel des Todes und ein bitteres Gift".

Das primameteriale finstere Chaos ist das zentripetale Prinzip in Gott, wo seine Strahlen ins eigene Zentrum gerichtet sind. Doch im Innersten verbirgt sich der Eckstein des Lichtes. Das schöpferische zentrifugale Lichtprinzip wird verkörpert durch Apollo. Dieser stellt denselben Menschen, den sein Alter Ego Dionysos des Nachts siebenfach zerstückelt, am Tag siebenfach wieder her.
Das böse greift nach dem Leben
Wir haben das Zentrum "Naturae" in uns: Machen wir einen Engel aus uns, so sind wir das. Machen wir einen Teufel aus uns, so sind wir das auch. "Wir sind allhier im Machen in der Schöpfung, wir stehen im Acker".

Wahr ist, dass der Mensch keinen Leib hat, der von der Seele geschieden ist. Denn was Leib genannt wird, ist der Teil der Seele, der durch die fünf Sinne wahrgenommen wird. Energie ist das einzige Leben und stammt vom Leib und Vernunft ist die äußere Begrenzung der Energie.
"Die himmlischen fruchtbaren Engel stehen in des sanften Wassers Matrix und die höllischen unfruchtbaren sind im harten Zornfeuer verschlossen".

Das Licht muss also gesucht werden. Es ist aber so dünn und geistlich, dass wir es nicht mit der Hand packen können. Darum muss man seine Wohnung suchen, die himmlisch ätherische ölige Substanz.

Licht, Schatten und Farben sind Elemente des Sehens. Die Farben sind dabei Ausgeburten jener beiden.

Die sichtbare Welt aus Licht und Finsternis aufzubauen oder sie in Licht und Finsternis aufzulösen ist die Aufgabe der sichtbaren Welt, die wir für eine Einheit halten.

Der Kreislauf der Natur ist ein ewiger Ausfluss und Rücklauf des Weltengeistes. Als Tau oder Regen gelangt er auf die Erde und verdichtet sich dort zu dem festen männlichen Salpeter und dem flüchtigen weiblichen Salz Alkali. Beide zeugen das saure alkalische Salz. Aus diesen dreien besteht alles elementische und bildet sich nach dem Tod und der Verwesung wieder in Tau und Regen zurück.

Als Goethe sich intensiv mit Alchemie beschäftigte, war er besonders von dem Buch "Aurea catena Homeri" begeistert. Weil darin die Natur in einer schönen Verknüpfung dargestellt wird. Es inspirierte ihn nicht nur zu Versen: "wie alles sich zum Ganzen Himmelskräfte auf und nieder steigen und sich die goldenen Eimer reichen" (Faust), sondern regte ihn auch zu eigenem Laborieren an. Zu diesen Operationen waren, wie er in "Dichtung und Wahrheit" berichtet, Alkalien erfolgreich, "welche, indem sie an der Luft zerfließen, sich mit jenen überirdischen Dingen verbinden und zuletzt ein geheimnisvolles Mittelsalz hervorbringen sollten".


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